warum gemeinsame schule?

FAQ - The Questions
1. Warum eine gemeinsame Schule?
2. Wie soll die gemeinsame Schule funktionieren?
3. Können lernschwache SchülerInnen in der Hauptschule nicht besser gefördert werden?
4. Wenn die gemeinsame Schule kommt, sinkt dann das Lernniveau?
5. Wer profitiert von der gemeinsamen Schule?
6. Wie schnell kommt die gemeinsame Schule?
7. Gemeinsame Schule flächendeckend oder als zusätzliche Alternative?
8. Was ist ein Schulversuch?
9. Wenn die gemeinsame Schule so gut ist, warum sind dann viele dagegen?
GEMEINSAME SCHULE
FAQ - FREQUENTLY ASKED QUESTIONS

1. Warum eine gemeinsame Schule?
Die Idee der gemeinsamen Schule beruht auf der Überzeugung, dass es für keine/n Jugendliche/n zumutbar ist, mit zehn Jahren über den gesamten restlichen Lebensweg zu entscheiden. Genau das passiert derzeit aber: Wer in die Hauptschule geht, hat wesentlich schlechtere Chancen doch noch Matura zu machen, als BesucherInnen der AHS-Unterstufe. De facto wird in Österreich derzeit also im Alter von zehn Jahren völlig über die Köpfe der Betroffenen hinweg entschieden: Matura oder Pflichtschule? Diese frühe Form der Selektion ist europaweit nahezu einzigartig und verstärkt soziale Ungleichheiten in Österreich.

2. Wie soll die gemeinsame Schule funktionieren?
Österreich hat bereits eine gemeinsame Schule – für die 6- bis 10-Jährigen. Wir wollen, dass zumindest auch die 10- bis 14-Jährigen in einer gemeinsamen Schule lernen können. Schon heute haben Kinder und Jugendliche in allen Schulformen verschiedene Begabungen, Stärken und Schwächen. Schülerinnen und Schüler müssen in ihren Interessensschwerpunkten und in ihren Schwächen gefördert werden. Dafür braucht es nicht zwei Schultypen, sondern kleinere Gruppengrößen, bessere Ausstattung der Schulen, bessere pädagogische Ausbildung und mehr Mitsprache der SchülerInnen. In einer gemeinsamen Schule sollen alle gleich gute Chancen gekommen und bestmöglich gefördert werden.

3. Können lernschwache SchülerInnen in der Hauptschule nicht besser gefördert werden?
Es ist ein Irrtum, die Trennung in Hauptschulen und AHSen auf unterschiedliche Begabungen zurückzuführen. In Österreich entscheidet nicht Begabung über den Schulweg, sondern die soziale Situation der Eltern. 45% der SchülerInnen in der Hauptschule kommen aus Haushalten mit weniger als 1.500 Euro Monatseinkommen. In der AHS-Unterstufe sind es lediglich 18%. Die Chance eines/r Schüler/in, deren Eltern studiert haben, in die AHS zu gehen liegt bei 79%. Wenn die Eltern nur den Pflichtschulabschluss haben, liegt sie bei nur 10%. Die Hauptschule ist also keine „Förderschule“ für SchülerInnen mit besonderem Förderbedarf – sie ist in der österreichischen Realität die Schule für Kinde rund Jugendliche aus Niedrigverdiener-Haushalten. Die Trennung zwischen Hauptschule und AHS zementiert soziale Ungerechtigkeiten ein – sonst nichts.

4. Wenn die gemeinsame Schule kommt, sinkt dann das Lernniveau?
Wieviel wir in unserer Schule lernen hängt nicht primär von der Schulorganisation ab, sondern vor allem von den Rahmenbedingungen, die uns Schule bietet. In den letzten Jahren ist das Schulsystem finanziell ausgehungert worden. Es wird höchste Zeit, hier endlich gegenzusteuern und für Qualität zu sorgen: Mit einer Senkung der Klassengrößen, mit einer besseren Ausstattung der Schulen, mehr LehrerInnen, besserer pädagogischer Ausbildung und mehr demokratischer Mitsprache für uns SchülerInnen. Die gemeinsame Schule ist weder die Ursache, noch die Lösung für bestehende Qualitätsprobleme, die uns Elisabeth Gehrer durch zehnjähriges Nichtstun hinterlassen hat. Aber die gemeinsame Schule beendet endlich die derzeit bestehende soziale Selektion, die zehntausende Jugendliche in ihren Chancen einschränkt.

5. Wer profitiert von der gemeinsamen Schule?
Zunächst ist die gemeinsame Schule eine Chance für all jene, die derzeit in ihren Bildungschancen besonders beschränkt werden: SchülerInnen aus Familien mit niedrigem Einkommen; SchülerInnen mit migrantischem Hintergrund; SchülerInnen aus ländlichen Regionen, in denen es keine höhere Schule gibt. Von einer gemeinsamen Schule profitieren aber letztlich alle. Wenn SchülerInnen gemeinsam lernen, kann es nur für alle ein Vorteil sein.

6. Wie schnell kommt die gemeinsame Schule?
Wenn es nach uns geht, sollte die gemeinsame Schule in Wien in einem flächendeckenden Projekt für die ersten Klassen ab dem Schuljahr 2008/2009 starten. Dafür braucht es die Zustimmung der ÖVP. Doch in der Tradition der jahrelangen Frontfrau konservativer Unbildungspolitik, Elisabeth Gehrer, legen sich die konservativen Hardliner in der ÖVP noch quer Gleiche Bildungschancen für alle passen den Fans einer Politik für soziale Eliten nicht ins Konzept. Mit unserer Initiative wollen wir diesen Prozess beschleunigen und so bald wie möglich soziale Selektion stoppen.

7. Gemeinsame Schule flächendeckend oder als zusätzliche Alternative?
Die Einführung der gemeinsamen Schule als „dritte Alternative“ neben AHS und Hauptschule hat wenig Sinn. Denn mit der gemeinsamen Schule soll die soziale Selektion gestoppt werden. Das kann nur gelingen, wenn die unterschiedlichen Schultypen zu einer hochqualitativen gemeinsamen Schule zusammengeführt werden. die Etablierung eines „dritten Schultyps“ löst überhaupt kein Problem.

8. Was ist ein Schulversuch?
Bevor schulische Projekte ins „normale Schulwesen“ übernommen werden, können sie in sogenannten Schulversuchen getestet werden. In Schulversuchen dürfen maximal 5% aller SchülerInnen Österreichs sein. Die Blockade der ÖVP lässt derzeit nur beschränkte Versuche dieser Art zu. Doch zur Verwirklichung gleicher Bildungschancen braucht es mehr als diese Schulversuche, die Unterrichtsministerin Schmied auch ohne die ÖVP verwirklichen kann.

9. Wenn die gemeinsame Schule so gut ist, warum sind dann viele dagegen?
Gegen die gemeinsame Schule sind im wesentlichen die konservativen Hardliner in der ÖVP und ihre Anhängsel. Dafür gibt es drei wichtige Ursachen:

1. Es gibt viele in der ÖVP, deren Gesellschaftsbild gleiche Chancen für alle Menschen nicht wünschenswert erscheinen lassen. Die ÖVP will soziale Unterschiede in der Bevölkerung nicht beseitigen. Mit ihrer Politik hat sie sie in den letzten Jahren laufend verstärkt.

2. Eine gemeinsame Schule ist natürlich mit Veränderungen verbunden. Die Ausbildung von LehrerInnen muss vereinheitlicht werden (akademischer Abschluss für PflichtschullehrerInnen; bessere pädagogische Ausbildung für AHS-LehrerInnen). Die Gehaltsschemen müssen angeglichen werden. Und in vielen Schulen bräuchte es wohl auch bauliche Maßnahmen. Viele Konservative wollen lieber alles beim Alten lassen, als so viele Veränderungen zu gestalten.

3. Die gemeinsame Schule ist seit Jahrzehnten ein umkämpftes politisches Thema. Viele in der ÖVP haben Angst, mit einem Nachgeben gleichzeitig zuzugeben, falsch gelegen zu sein.

Manche dieser Gründe mögen ihre Berechtigung haben. Aber sie können kein Grund sein, eine moderne Schule, die allen gleiche Chancen bringt weiterhin zu blockieren.

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